The Runaway Boys - a German rockabilly outfit with a reissue of an eighties LP.
1.I want your loving 2.99 kisses 3.Send your love to me tonight 4.Come into my arms 5.A little revolution 6.My love 7.This's what life's for me 8.Hey little girl 9.The ballad of a sawyer 10.You send me away 11.The lions sleep tonight 12.Unchained melody 13.Love really hurts without you 14.Warmed over kisses, left over love 15.But I don't know
The Runaway Boys
Georg Munteanu - Vocals, double bass
Mike Stumpf - Vocals, rhythm guitar, banjo
Dirk Hartmann - Vocals, lead guitar
Curt Bagusat - Drums
"Mir liegt für diese Besprechung erst eine Musikcassette vor, denn die LP wird erst kurz nach Redaktionsschluß (also Mitte Juli) erscheinen. Somit fehlt mir ein lntro, das später auf der Platte enthalten sein soll. Nun - versorgen wir die Leser dieser Kritik mit einigen Infos über die Band. Obwohl mir dies fast unnötig erscheint, denn die Runaway Boys haben sich durch zahlreiche Gigs einen recht guten Namen gemacht. Die Bandmitglieder sind zwischen 21 und 26 Jahre alt und stammen alle aus Wolfsburg. Alle vier sind musikalisch vorbelastet, Bassist Georg Munteano spielte früher bei den Stringlers, ebenso wie Drurnmer 'Curt' Bagusat. Diese Gruppe hatte seinerzeit auch Auftritte in ganz Deutschland, und duuml;rfte daher vielen bekannt sein. Anschließend wechselte 'Georgie' zu den Jailers, die nicht so viele überregionale Auftritte hatten, aber auch an einigen Orten zufriedene Fans zurückließen. Gekrönt haben die Jallers ihren Erfolg dann durch ihre Maxi-Single 'Donna The Primadonna' (siehe Heft 58). Solo-Gitarrist Dirk Hartmann spielte bei den 'Hep Cats', die uuml;ber lokale Erfolge nicht hinaus kamen. Gitarrist 'Mike' Stumpf war sehr aktiv in einem Duo, das Songs der Everly Brothers nahezu perfekt auf die Bühne brachte. Heute kann man ihn wohl als musikalischen Kopf der Runaway Boys bezeichnen, denn bei allen Eigenkompositionen der Gruppe ist er maßgebend beteiligt, sechs gehen sogar vollständig auf sein Konto. Aufgrund dieser 'Verstrickungen' kann ich gar nicht genau sagen, seit wenn es die Runaway Roys eigentlich gibt. Ihren ersten größeren Auftritt hatten Sie jedenfalls im Februar 1988 in der Fabrik in Hamburg. Seitdem hat die Band auf vielen Veranstaltungen gespielt, von denen man vor allem wohl die zahlreichen Gigs in Holland ('Cruise Inn' in Amsterdam, Festival in Hoorn, Rockhouse-Meeting in Oss) erwähnen sollte. TV-Auftritte im dritten Prograrnrn des NDR zeigen auch, daß die Band ihre Musik recht populär darbietet. Womit wir dann endlich bei der Musik wären ... Anders als bei der ersten Single der Band (NOTE-Records), auf der mit 'Slippin' And Slidin' und 'Rock Around With Ollie Vee' zwei bestens bekannte Klassiker neu aufgenommen wurden, liefern die Runaway Boys hier (bis auf eine Ausnahme) nur Eigenkornpositionen ab! Gesanglich wechseln sich Georg und 'Mike' ab und in diesem Zusammenhang sollte man sagen, daß auch der mehrstirnmige Gesang, ob Lead- oder Background, ein großes Plus der Band ist. Das erste Stück, Rock'n'Roll mittleren Tempos, eröffnet die Platte recht flott. '99 Kisses', zwingende Liebeserklärung an 'Mandy' zeigt dann recht deutlich, daß alle Bandmitglieder ihre Instrumente beherrschen. Sowohl die Gitarren, als auch die hier mit Besen gespielten Drums und der gezupfte Bass treffen jeden Ton und jedes Break sitzt. Leider kann man dies ja nicht bei allen Nachwuchsgruppen als selbstverständlich voraussetzen. Die Melodie und der Refrain des Songs prägt sich spätestens nach dem dritten Hören gnadenlos ein. Noch extremer ist das beim folgenden Stück. Wenn man dies morgens auf dem Weg zur Arbeit hört, dann summt man noch nach Feierabend 'Send your love to me tonight, honey don't be late' ... Als nächstes dann eine Ballade - sehr gefühlvoll und dramatisch. Vielleicht beeinflußt durch das neue Interesse an Roy Orbison oder Gene Pitney, auf jeden Fall aber eine Überraschung. Abgeschlossen wird Seite 1 durch einen Rockabilly-Titel. Hier kann man vielleicht den Vorwurf anbringen, den ich der Platte trotz aller Qualität machen möchte: Manchmal, wie hier bei den Soli insbesondere des Bass, könnte der Sound vielleicht doch etwas rauher und urwüchsiger sein. Manchmal drängt sich der Gedanke auf, da&azlig; die Songs für eine Rock'n'Roll-LP etwas zu geschliffen klingen ... Kommen wir zur Seite 2, die mir insgesamt besser gefällt. Das mag aber auch daran liegen, daß mir diese Titel von Live-Auftritten der Band schon im Ohr waren. Beim Hören des Titelsongs 'My Love' wird klar, daß es sich bei dieser Liebe um eine Gitarre handelt - was wiederum das Cover erklärt. Dieses Stück mit seinen mehrstimmigen Vocal-Parts erinnert mich stark an die Everly Brothers. Nach diesem flotten Rock'n'Roll-Titel folgt noch einmal eine Ballade, diesmal in gemütlichem Swing-Stil. 'Hey Little Girl' erinnert mich an Revival-Bands der 70er Jahre, aber das soll nicht abwertend gemeint sein. Überhaupt ist es so, daß mir zu der Musik der Runaway Boys so gut wie keine Vergleiche einfallen. Es ist ja meist so, daß man sich vor dem Schreiben einer Plattenkritik die entsprechende LP anhört und überlegt, womit man die Musik vergleichen kann. Wenn eine Gruppe nur Cover-Versionen vorlegt, dann kann sich jeder unserer Leser etwas unter den Titeln vorstellen. Wenn eine Band mit Crazy Cavan auf einer Linie liegt, dann braucht man dem Leser auch nicht viel mehr zu beschreiben. Aber wenn sich eine Gruppe, was viel zu selten vorkommt, ein breites Spektrum vornimmt, viele Eigenkompositionen abliefert und darüber hinaus auch noch einen weitestgehend eigenen Stil beibehält, dann freut sich der Plattenkäufer, aber ich als Kritiker habe es schwer die Musik zu beschreiben. 'The Ballad Of A Sawyer' ist ein - ja, was eigentlich?
Rockabilly, übersteuerte Gitarre, tiefe düstere Stimme - Psycho? Sicher nicht, aber ein weiterer Beweis für die Vielfältigkeit der Gruppe, auch wenn ich dies eher als Parodie des Genres ansehen würde. Nochmals Rockabilly bzw. Rock'n'Roll (im englischen Magazin 'Now Dig This' läuft seit einiger Zeit eine heiße Diskussion, ob man dies überhaupt trennen kann ) bei 'You Send Me Away' und abschließend ein in Mono aufgenommenes Acapella-Stück. 'The Lion Sleeps Tonight', im Dezember 1961 ein Nr.1-Hit der Tokens, hat ja schon zahlreiche Wiederaufführungen in Form von Cover-Versionen erfahren. Die hier vorliegende Acapella-Version gefällt mir vor allem wegen des sehr original klingenden Lead-Gesangs. Die hohe Stimme Jay Siegels ist ja sicher nicht leicht zu kopieren ... Die Geschichte dieses Songs läßt sich übrigens in Heft 26 nachlesen. Gesamturteil der LP: Für Freunde des wilderen Rockabilly vielleicht zu seicht - für Freunde des Rock'n'Roll bestimmt uneingeschränkt zu empfehlen. Wenn möglich, auf jeden Fall mal rein hören ..." Bodo Nies